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Baubericht Habicht

von Andreas Jenni

Der Habicht, Astur gentilis, ist gemäss Vogelwarte ein überaus wendiger und kräftiger Flieger. Doch hier geht es nicht um die biologische Version, sondern um das speziell für den Kunstflug gebaute Segelflugzeug Habicht. Hans Jacobs konstruierte den Segler anno 1936 nach den damaligen Kenntnissen der Aerodynamik und den verfügbaren Materialien, Faser Verbundwerkstoffe waren damals noch nicht verfügbar.

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Die Firma Schneider in AT-Kufstein bietet den Habicht als Modellbausatz in zwei Grössen an, einmal mit Spannweite 388cm, Massstab 1:3,5, und eine Variante mit Spannweite 544cm, Massstab 1:2,5. Der Entschluss war schnell gefasst, die kleinere Version wurde bestellt.

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Einen Monat später traf der Karton ein, er enthielt alle notwendigen Bauteile hauptsächlich in Birkensperrholz, viele Kieferleisten und das Balsaholz für die Beplankung von Rupf und Flügel, plus einige Kleinteile.

Bau des Rumpfes

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Begonnen wird mit dem Bau des Rumpfes, dieser wird in drei Teilen gefertigt, Bug, Mittelteil und Heck, welche später zusammengefügt werden. Die Herausforderung war, dass es an diesem Flieger keine geraden Flächen gibt, alles ist rund, konisch oder elliptisch geformt.

Um das Rumpfmittelteil anzufertigen muss zuerst der Flügelholm erstellt werden, inklusive Anschlussrippen, so kann Holm und Mittelteil zusammengepasst werden.

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Der Holm ist sehr robust aufgebaut wie beim Original, dort ist ein Lastvielfaches von + 6G / - 4G zulässig (Bruchlast +12G / -9G)

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Auch die Aufnahme des Holmes zwischen zwei Rumpfspanten ist ebenfalls vertrauenserweckend konstruiert.

Das Zusammenfügen der drei Rumpfsektionen erforderte viel Richt- und Messarbeit damit ein gerader Rumpf entsteht, auch die EWD hängt vom präzisen Zusammenfügen ab.

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Um die Rumpfsegmente zuverlässig auszurichten und zu fixieren waren robuste Eisenwinkel sehr hilfreich.

Der Flügel

Der Bau des Flügels beginnt mit dem Einsetzen und Verkleben der Rippen auf den vorgefertigten Holm, eine sehr rationelle Methode die schnell erledigt ist, dachte ich. 

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Die Rippen werden in die Nuten in der Verkastung eingesteckt und verklebt. Bald stellte sich heraus, dass die Rippen nicht sauber ausgerichtet sind, es gab von Rippe zu Rippe meiner Auffassung nach zu grosse Abweichungen. Aber auch hier, an was orientiere ich mich? Durch die geteilten Rippen ist keine Profilsehne auszumachen, daher richtete ich die Rippen nach Gefühl und Augenmass aus.

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Das Flügelgerippe war bald erstellt, es folgte noch das verfeinerte Beseitigen von Abweichungen zwischen linkem und rechtem Flügel. Auch hier dienten wieder die robusten Eisenwinkel gute Dienste, so konnten die Holme zuverlässig in einer senkrechten Position fixiert werden.

Beim Bau des Leitwerks und aller Ruder entstanden keine nennenswerten Herausforderungen. Einzig bei den Querrudern betrieb ich etwas mehr Aufwand und habe diese zweiteilig ausgeführt. Die Butterfly Funktion wollte ich mir nicht vorenthalten, auch das Verwölben des HQ-Profils kann so besser angepasst werden.

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Bald steht das komplette Gerippe des Habichts, nun kommt die Form und Grösse richtig zur Geltung. Ein wichtiger Abschnitt ist geschafft, es bleibt aber noch eine Menge Arbeit bis zur Vollendung.

Beplankung des Rumpfes

Um zeitraubende Schleif- und Spachtelarbeiten am Rumpf zu vermeiden, habe ich die
3 mm. Beplankung in relativ schmalen Streifen von 10 bis 14 mm. angebracht. So folgt die Beplankung besser der durch die Spanten vorgegebenen Kontur. Tönt nach Sisyphusarbeit, aber nebenbei, während dem Austrocknen des Klebers, sind noch viele kleinere Arbeiten wie Steuerungseinbau, Rudergestänge, Kabinenhaube usw. anzufertigen.

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Nach dem Anbringen aller Übergänge gings ans Spachteln und Verschleifen. Wie schon erwähnt, konnten diese Arbeiten recht zügig erledigt werden. Um die weiche Balsaoberfläche widerstandsfähiger zu machen, habe ich mich, trotz Mehrgewicht, zu einem Überzug mit 45g/m2. Glasfasergewebe und Epoxidharz entschlossen. Dabei folgte ich der Anleitung der Firma Suttter Kunststoffe, und schaffte so auf Anhieb eine saubere Oberfläche für den Finish.

Beplankung des Flügels

 Hier kann wesentlich grosszügiger gearbeitet werden, die 2mm. Beplankung kann in breiteren Streifen verklebt werden.

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 Dem Einpassen der Bremsklappen schenkte ich besondere Aufmerksamkeit, hässliche Überstände zur Oberfläche wollte ich unbedingt vermeiden. Die Klappen erschienen mir für die Spannweite und das Gewicht des Habichts winzig, doch mehr dazu später in diesem Bericht.

Lackierung und Finish

Für die Flügeloberfläche entschied ich mich für eine Bügel - Gewebefolie ohne Einfärbung, der Habicht sollte nicht in einer allzu glatten oder gar glänzenden Oberfläche erscheinen. Die Lackierung erfolgte mit einem wasserbasierten Acryllack seidenmatt, der sehr angenehm zu verarbeiten war.

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Meine improvisierte Freiluft – Malerwerkstat im Velounterstand. Der Flügel ist drehbar gelagert, so konnte Ober- und Unterseite ohne Unterbrechung lackieret werden. Die ganzen Lackierarbeiten zogen sich über einen ausgedehnten Zeitraum hin, die Abdeckarbeiten für das Akro - Muster auf der Oberseite, das sich auch über alle Ruder und Bremsklappen zieht, waren eine echte Geduldsprobe. Trotz anfänglichen Zweifeln fanden die Malerarbeiten alle bei winterlichen Temperaturen statt. Nach einigen Versuchen konnten alle Bedenken ausgeräumt werden, das Ergebnis zeigte keine Nachteile. Voraussetzung ist natürlich, dass die lackierten Teile rasch in einen geheizten Raum gebracht werden.

Kufe

Da war noch eine Aufgabe zu lösen die mir einiges an Kopfzerbrechen bereitete. Der original Habicht ist mit einer gefederten Kufe ausgestattet, das sollte auch beim Modell so ausgeführt werden.

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Als Federelement mussten nach Versuchen mit diversen Materialien Velogriffe aus Moosgummi dran glauben. Die Kufe selbst besteht aus zwei Lagen Birkensperrholz, ordentlich verstärkt mit Glasfasern. Die Kufe ist vorne fix mit Epoxidharz (Araldit) verklebt, am hinteren Ende dient eine schwimmende Befestigung mit einer robusten Holzschraube für den Längenausgleich beim Einfedern. Das Ganze wird noch mit einem seitlichen Überzug aus Kunsleder abgeschlossen.

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Eine unschöne Arbeit ist noch zu erledigen. Damit der Schwerpunkt passt, müssen rund 2,5 Kilo Ballast im Bug untergebracht werden. Im Rohbau habe ich ein demontierbares, massives Sperrholzbrett vorgesehen, so kann der hässliche Eisenklotz sicher befestigt werden.
Inklusive Akkus und Ballast beträgt das Gewicht nun knapp 10 Kg. Verteilt auf eine Flügelfläche von ca. 128 dm2 resultiert eine noch akzeptable Flächenbelastung von etwa 78g/dm2.

Erstflug

Nun ist er da, der Tag der Wahrheit. Ordentlich angespannt und nervös stehe ich auf dem Fluggelände, beladen mit all den Zweifeln die während dem Bau aufgetreten sind und kaum vorhandener Erfahrung in Sachen Seglerschlepp. An dieser Stelle herzlichen Dank an die kompetente Unterstützung und die beruhigenden Worte meiner Fliegerkollegen.

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Nun geht es also los, dank der kräftigen Schleppmaschine ist das Gespann nach kurzer Startstrecke in der Luft und bald sind alle Zweifel und Nervosität verschwunden, der Habicht liegt satt und stabil in der Luft und gehorcht präzise meinen Steuerbefehlen. Noch etwas Höhe Trimmen und schon kann ich den Erstflug geniessen. Trimmung auf dem Querruder war nicht notwendig, all die Mess- und Richtarbeiten am Flügel haben sich also gelohnt. Nach dem Klinken muss noch die richtige Fluggeschwindigkeit gefunden werden, dabei merkte ich bald, dass der Habicht zügig bewegt werden will.

Dank dem bulligen Rumpf und der grossen Flächentiefe ist die majestätische Fluglage sehr gut zu erkennen. Auch beim Erproben der Bremsklappen und deren Wirkung traten keine Überraschungen auf. Da kaum Thermik für einen Steigflug vorhanden war, ging es bald an das Vorbereiten der Landung. Auch hier zeigt sich der Habicht von der absolut problemlosen Seite. Mit ausgefahrenen Störklappen ist der Endanflug sicher, stabil und gut abschätzbar, so dass kaum Korrekturen notwendig sind.

Während den folgenden Flügen musste natürlich die Kunstflugtauglichkeit getestet werden. Auch hier stellte sich bald heraus, dass immer ordentlich Speed notwendig ist, damit der Habicht sauber in der Spur bleibt. Dank der robusten Bauweise darf ruhig und beherzt in die Ruder gegriffen werden, da passen die Attribute des biologischen Bruders, kraftvoll und äusserst wendig. Die ersten 100 Meter Steigflug im Aufwind konnte ich auch schon realisieren. Klar ist ein solcher Antikflieger kein Gleit- und Thermikwunder wie eine moderne voll GFK -Maschine. Bei einem solchen Flieger stehen andere Kriterien im Vordergrund.

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 Der Habicht macht sich gut auf unserem schönen Fluggelände

Fazit

Der Bausatz von Schneider erfordert sehr viel Arbeit, es ist auch einiges an Eigeninitiative notwendig um den Bau des Habichts zu realisieren. Die Freude am Bauen überwog jedoch die Zweifel und Mühen, die zwangläufig bei jedem grösseren Projekt auftreten bei Weitem.

Auf dem Flugfeld entschädigt der Habicht vollends für die vielen Stunden beim Bauen. Die Flugeigenschaften sind absolut unkritisch, so dass jeder Flug stressfrei genossen werden kann.